Indian Challenger vs. Harley-Davidson Road Glide Test 2020 (2024)

Harley oder Indian – wer baggert besser?

„Aus Amerika für Amerika“ wird oft über schwere Cruiser und Tourer aus US-Produktion geunkt – zu schwer, zu behäbig und zu unhandlich für unsere kurvigen Straßen lautet da oft die Begründung. Vor allem stylische Bagger seien einzig und alleine für amerikanische Highways geeignet, auf denen man ohnehin tausende Kilometer geradeaus im Schneckentempo cruisen kann. Harley-Davidson Road Glide Special und Indian Challenger Limited räumen eindrucksvoll mit diesem Vorurteil auf!

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Zugegeben, es gibt natürlich eine ganze Menge anderer Motorradkategorien, die sportlicher sind, als dicke Ami-Tourer. Zugegeben, eigentlich fast alle. Ich fordere aber, wenn ich nun schon so ehrlich bin, von allen Kritikern, dass sie im Gegenzug eingestehen, dass gerade solche Tourer, oder besser Bagger (so nennt man Tourer, die wegen des fehlenden hohen Windschilds und ohne Topcase eine relativ flache Linie besitzen) sehr wohl ein gewisses Maß an Dynamik und sogar Sportlichkeit erlauben. Zumindest moderne Bagger vom Schlage einer Harley-Davidson Road Glide Special und Indian Challenger Limited.

Die Harley-Davidson Road Glide Special mit der markanten “Shark Nose”

Die Harley sieht nämlich nur rein äußerlich mit ihrer (für mich) immer noch extrem ansprechenden und ultracoolen Shark Nose-Verkleidung an der Front mit den abgeschrägten Scheinwerfern so aus, als wäre sie den 1970er-Jahren entsprungen. Die Technik darunter und die mittlerweile auch von Harley-Davidson verbaute Elektronik (ja, auch Harley verwendet Bits und Bytes!) ist absolut State-of-the-Art. Gerade dadurch ist es äußerst erfrischend, dass die Road Glide Special immer noch genügend Good Vibrations bis zum Fahrer vordringen lässt der fette Milwaukee-Eight-V2 beutelt sich immer noch herrlich ab und lässt den Piloten angenehm spüren, dass da gerade zwei Töpfe mit insgesamt 1868 Kubik Hubraum arbeiten, keine Nähmaschine.

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Indian Challenger – der Name ist Programm!

Und nun kommt die eigentlich noch ältere und somit traditionsreichere Marke Indian (Gründungsjahr 1901, Harley-Davidson 1903) daher und möchte mit der brandneuen Challenger Limited die Road Glide Special herausfordern. Und dieser Frontalangriff ist nicht etwa von mir zwecks gesteigerter Spannung inszeniert, sondern ganz bewusst von Indian selbst! Schon alleine der Name ist Programm, Challenger bedeutet Herausforderer und genau das macht der neue Bagger im Indian-Programm auch mit dem Platzhirschen Harley Road Glide. In Amerika ist nämlich, anders als bei uns in Europa, vergleichende Werbung erlaubt, Indian weist also in einer groß angelegten Kampagne ganz bewusst darauf hin, dass man mit der Challenger Harley-Davidson im Visier hat. Und es wurden im Zuge dieser Werbekampagne tatsächlich direkte Wettbewerbe ausgetragen, sei es beim Tauziehen oder beim Beschleunigungsrennen, die Indian Challenger ging stets als Sieger hervor was aufgrund von über 30 PS Unterschied nicht allzu sehr überrascht. Harley-Davidson hat daraufhin mit einer sehr dezenten Werbeanzeige gekontert wer mehr darüber wissen möchte, unter anderem, was Porsche mit der ganzen Sache zu tun hat, kann sich gerne meinen Bericht Harley vs. Indian 2020 ansehen.

Indians Challenger punktet mit dem kräftigeren Motor

Die tatsächliche Gegenüberstellung der beiden Amerikanerinnen zeigt jedenfalls unwiderlegbar auf, dass die Indian den kräftigeren Motor hat. Mit 1768 Kubik aus ebenfalls zwei Zylindern zwar exakt 100 Kubik weniger Hubraum als die Harley, dank der moderneren Rezeptur aber eben mit erheblich mehr Leistung und etwas mehr Drehmoment. Den 89 PS der Harley stehen also 122 PS der Indian gegenüber, was allerdings bei solchen dicken Eisen nur die halbe Wahrheit ist das Drehmoment spielt in dieser Klasse bekanntlich die erste Geige. Und da ist der Unterschied dann gar nicht mehr ganz so frapant, gewaltigen 163 Newtonmeter bei 3000 Touren auf der Harley stehen noch gewaltigere 178 Newtonmeter bei 3800 Umdrehungen auf der Indian gegenüber.

Harley-Davidson Road Glide Special – mit dem typischen Tritt in den Hintern

Den großen Unterschied macht in diesem Kapitel dennoch die Elektronik, während nämlich die Harley keine Leistungsmodi bietet und stets den bekannten und zumindest von mir sehr geschätzten Tritt in den Hintern schon von ganz weit unten beherrscht, kann man auf der Indian aus drei verschieden abgestimmten Leistungsmodi wählen. Wobei eben im Standard-Mode der erwartete Bums fast schon zu verhalten ausfällt (im Rain-Mode erwarte ich ohnehin nichts außer Geschmeidigkeit), schiebt das Triebwerk erst im Sport-Mode so richtig an. Dann aber von weit unten bis weit nach oben man kann den dicken Zweiender auch ganz passabel ausdrehen, wo sich bei der Harley dann schon länger nichts mehr tut.

Auf der Indian Challenger Limited macht nur der Sport-Mode Spaß

Damit erweist sich auf der Indian der Sport-Mode (abgesehen von feuchten Straßen) als einzig wahrer Modus, auch wenn man gar nicht volle Kanne sportlich unterwegs sein möchte. Interessant ist, dass die Indian trotz ihrer Wasserkühlung eine ziemliche Hitze unter dem Fahrer produziert. Nach wie vor nicht so viel, wie auf der nur teil-flüssiggekühlten Road Glide Special (ein Harley-Triebwerk kann man sicher sehr gut als Heizaggregat missbrauchen), aber doch spürbar - knapp 1,8 Liter Hubraum aus zwei Zylindern lassen sich eben auch auf der Indian thermisch nicht ganz einfach verbergen.

Harley vs. Indian – in Sachen Komfort und Stabilität Gleichstand

Dafür leistet sich Indian beim Fahrwerk keinerlei Schnitzer, die fette 43er-USD-Gabel und das Monofederbein im Heck dämpfen und federn komfortabel, verbitten sich aber etwaiges Aufschaukeln, wie es noch vor einigen Jahren in dieser Klasse durchaus üblich war. Von Sport zu reden, wäre vielleicht vermessen, aber in Kombination mit der ordentlichen Schräglagenfreiheit kann eine durchaus flotte Gangart gewählt werden. Und auch Harley-Davidson muss man einmal mehr für das gelungene Fahrwerk loben, bei den Tourern schaffen die Amis stets einen sehr hom*ogenen Spagat zwischen Komfort und Stabilität. Auch hier wäre es wohl etwas dreist, es sportlich zu nennen, allerdings kann man die 387 Kilo fahrfertig (bei der Indian Challenger Limited sind es vernachlässigbare 6 Kilo weniger) erstaunlich souverän um diverse Radien bewegen und hat auch in engeren Kurven noch erstaunlich viel Schräglagenfreiheit für einen dicken Bagger.

Beide Bagger bieten ein umfangreiches Elektronikpaket

Das könnte bei beiden auf das große Vorderrad mit jeweils 19 Zoll zurück geführt werden, das die beiden Maschinen klarerweise noch ein paar Zentimeter höher setzt. Apropos Räder, die Indian geht auch bei den Reifen einen sehr modernen Weg der serienmäßig montierte Metzeler Cruisetec verwöhnt mit Grip und vor allem Nassgrip, wie man ihn von einem modernen Straßenreifen erwarten kann und legt den Fokus nicht einzig und alleine auf eine exorbitant hohe Kilometerleistung. Wer dann noch (verständlicherweise) durch das hohe Drehmoment den Grip verliert, kann schließlich auf die verbaute Elektronik vertrauen die 6-Achsen-IMU samt kurvenabhängiger Traktionskontrolle und Kurven-ABS hält die dicke Fuhre im Zaum. Wobei in diesem Kapitel auch die Harley mittlerweile voll punkten kann. Ebenfalls mit Kurven-ABS und Traktionskontrolle bestückt, fährt man mit ihr absolut sicher und easy durch die Gegend.

Harley--Bremsen auf hohem Niveau, Indian muss sich erst einschleifen

Bei den Bremsen wirkt die Indian sogar etwas zahnlos im Vergleich mit der Harley, sehr wahrscheinlich, dass die Anlage auf unserer Challenger noch nicht richtig eingefahren war. Denn von einer 320er-Doppelscheibe mit radialen Brembo-Vierkolbenzangen erwarte ich, dass ich weniger Handkraft für ordentliche Verzögerung aufbringen muss, hohes Gewicht hin oder her. Denn die Harley zeigt, dass ein solch schwerer Tourer mit zwei 300er-Scheiben und Vierkolben-Festsätteln erstaunlich gut zu verzögern ist. Von einer Honda Goldwing will ich erst gar nicht anfangen, da hatte ich die Honda Goldwing Tour DCT bereits mit der Harley Davidson Road Glide Special im Vergleich und die Gold Wing bremst als ausgewiesenes Technobike nochmals besser als die ohnehin gute gute Harley. Hier geht´s zum Vergleichstest Harley-Davidson Road Glide Special vs. Honda Gold Wing Tour DCT

Das Killerargument für die Indian: Die höhenverstellbare Touringscheibe!

Da sich schließlich auch die Musikanlagen auf beiden Modellen als äußerst volumenstark und richtig klangvoll erweisen, muss ich tatsächlich zugeben, dass beide Bagger der amerikanischen Schmieden ihre ganz persönlichen Reize haben. Die Indian mit ihrem stärkeren Motor und dem bisschen mehr Elektronik vielleicht noch etwas sportlicher als die Harley, die dafür mit dem Anspruch der absoluten Originalität und einer erstaunlich modernen Fahrbarkeit samt viel Komfort und Schräglagenfreiheit. Wäre nur noch ein cooles Feature an der Challenger zu erwähnen, mit dem sie als völlige Neuheit im Segment der Bagger zumindest bei mir punkten kann: In der vorderen, wuchtigen Verkleidung kann die niedrige Scheibe, die einen Bagger nun mal ausmacht, um fast 10 Zentimeter elektrisch hochgefahren werden, wodurch sie zum Touring-Bagger wird. Da bin ich schon neugierig, wie und ob der Platzhirsch Harley-Davidson in Zukunft reagiert!

Hier geht´s zum Einzeltest der Indian Challenger Limited

Indian Challenger vs. Harley-Davidson Road Glide Test 2020 (8)

VAULI

Weitere Berichte

Fazit: Harley-Davidson Touring Road Glide Special FLTRXS 2020

Die Road Glide Special ist ein guter Beweis dafür, dass es sehr wohl funktioniert, Tradition mit Moderne ganz unauffällig zu vereinen. Rein optisch sticht natürlich die „Sharknose“ ins Auge - egal, ob man sie mag oder nicht, sie ist einzigartig. Im Inneren ist hingegen modernste Technik verbaut: Eine kombinierte ABS-Bremse, Traktionskontrolle, LED-Scheinwerfer, ein kräftiges Infotainment-System und der kräftige 114 Cubic Inch (1868 Kubik) V2-Motor, der so herrlich stampft, wie es sich für eine Harley nun mal gehört. Der dicke Murl erlaubt sehr drehzahlarmes Fahren, das gewaltige Drehmoment von 163 Newtonmeter liefert ohnehin in jeder Lebenslage genug Druck. Nur das hohe Gewicht und der fehlende Rückwärtsgang können beim Stehenbleiben und beim Rangieren mitunter für Probleme sorgen.

  • typischer Harley-V2-Motor mit „Good Vibrations“
  • einzigartiges Design, hochwertige Lackierung
  • großzügige Ausstattung
  • ausreichende Schräglagenfreiheit
  • gut dosierbare und standfeste Bremsen mit Kurven-ABS
  • tolle Soundanlage
  • hoher Komfort mit gemütlicher Sitzposition
  • druckvolle Beschleunigung
  • hohes Gewicht
  • kein Retourgang
  • kein Schnäppchen

Harley-Davidson Touring Road Glide Special FLTRXS - Technische Daten anzeigen

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Indian Challenger vs. Harley-Davidson Road Glide Test 2020 (9)

VAULI

Weitere Berichte

Fazit: Indian Challenger Limited 2020

Indian pflegt seine Tradition und versucht dennoch stets Neues. Die Challenger Limited ist bereits an der etwas kantigeren Verkleidung als moderne Auflage eines klassischen Baggers zu erkennen. Der Motor ist mit 122 PS und 178 Newtonmeter Drehmoment richtig kräftig und das komfortable Fahrwerk verdaut neben groben Stößen auch eine sportlichere Gangart. Lediglich die Bremse packt zwar brav zu, braucht dann aber viel Handkraft um die fast 400 Kilo fahrfertig bei flotter Fahrweise zu verzögern. Genial ist das elektrisch höhenverstellbare Windschild, das aus dem Challenger-Bagger einen Challenger-Tourer macht!

  • Kräftiges Triebwerk mit Charakter
  • viel Komfort
  • stabiles Fahrwerk
  • umfangreiche Ausstattung
  • Kurven-ABS
  • Traktionskontrolle
  • drei Fahrmodi
  • Bremse braucht viel Handkraft
  • hohes Gewicht
  • stolzer Preis

Indian Challenger Limited - Technische Daten anzeigen

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Bericht vom 17.06.2020 | 39.109 Aufrufe

Indian Challenger vs. Harley-Davidson Road Glide Test 2020 (2024)

FAQs

What is the Indian equivalent to the Road Glide? ›

A direct competitor to the Road Glide® is the Indian Challenger. In fact, no motorcycle is compared more to the Road Glide®, and the time has come for us to review the 2021 Harley-Davidson® Road Glide® vs 2022 Indian Challenger.

What is the lean angle of the Indian Challenger? ›

Indian offers 31 degrees of lean angle on both sides. The Harley leans 29 degrees to the left and 31 degrees to the right.

What is the quarter mile time for the Indian Challenger? ›

Indian claim 0-60mph in 3.9 seconds, 30-60mph in 2.2 and it'll hammer the standing quarter mile in just 12.2.

How much horsepower does the Indian Challenger have? ›

Challenger features include: PowerPlus V-twin engine with 128 ft-lbs of torque and 122 horsepower. Chassis mounted fairing for stable handling and class-leading wind protection.

Does the Indian Challenger have a fixed fairing? ›

The duo also share long footboards that allow a variety of leg positions, low seat heights, and top-loading lockable saddlebags augmented with a pair of fairing pockets. Riders sit behind fixed fairings that don't perturb the steering like fork-mounted fairings and are fitted with LED headlights and adjustable vents.

What is the gas mileage on an Indian Challenger? ›

Based on data from 1 vehicles, 40 fuel-ups and 5,557 miles of driving, the 2020 Indian Challenger Limited gets a combined Avg MPG of 48.03 with a 1.53 MPG margin of error.

Is the Indian Challenger water cooled? ›

2024 Indian Motorcycle® Challenger® Dark Horse® Spirit Blue Smoke. Our blacked-out PowerPlus liquid-cooled engine is a fully-modern design and redefines American V-twin performance. Class-leading 128 ft-lbs of torque and 122 HP dominate straight from the factory.

Where is the Indian Challenger built? ›

Today, the tradition of premium craftsmanship in American manufacturing lives on at the Indian Motorcycle factory in Spirit Lake, IA; the home of Indian Motorcycle and the birthplace of each new bike we make.

What is the rev limit on the Indian Challenger? ›

An added benefit of the new system is that it helps make power in the rpm range the Challenger will now be racing in; MotoAmerica has lowered the rev limit to 7,700 rpm for the 2023 season. “We were a few hundred rpm over that before,” Bailey says.

What is the fastest motorcycle 0 to 60? ›

What's the fastest production bike by 0 to 60 acceleration? The simple answer is the Suzuki GSX-R1000, which can do the run in 2.35 seconds. What is the fastest bike in the world in 2023, regardless of where it's meant to be used? That would be the track-only Kawasaki Ninja H2R - 188 mph (302.5 kph).

What is the rpm of the Indian Challenger? ›

With its well-sorted suspension, cast aluminum frame, chassis-mounted fairing, and inverted fork, the Challenger was clearly meant as a direct shot at Harley-Davidson's Road Glide, and the embedded 1,768cc PowerPlus engine definitely places an emphasis on performance; on our dyno, it belted out 103.11 hp at 5,560 rpm ...

What is Indians version of the Street Glide? ›

The 2022 Street Glide® and the 2023 Indian Chieftain are both attractive and well-designed motorcycles. With many similarities, they are often compared to one another by consumers browsing through motorcycles in the touring category.

Do they make Indian Motorcycle trikes? ›

The Arrow trike kit for Indian Motorcycles is designed to match Indians classic styling. The lines of the ARROW body match the Indian front fender and even the industry first removable fender skirts make changing a tire stylish.

What Indian Motorcycle is like Harley-Davidson? ›

From Indian, I chose the Pursuit Dark Horse, a close competitor to the Harley Road Glide Limited. It starts at a whopping $30,999. The Indian's PowerPlus Liquid-Cooled 108 cubic-inch V-Twin makes 122 hp and 128 lb-ft, which is 29 hp more than the Harley.

Does Indian have an adventure motorcycle? ›

Indian FTR Rally Review - Adventure Bike Rider.

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Author: Delena Feil

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Name: Delena Feil

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Job: Design Supervisor

Hobby: Digital arts, Lacemaking, Air sports, Running, Scouting, Shooting, Puzzles

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